The Dark Lord

Am Lagerfeuer

Gíl und Miyaro am Vorabend der Schlacht

Miyaro setzt sich zu Gíl ans Feuer. Eine Weile beobachtet sie still wie die erschöpften Menschen das Lager für die letzte Nacht aufbauen. Ob Grimgar und Zadeck es geschafft haben, die Leute in der Stadt zu überzeugen diesen Menschen den Unterkunft und Schurz zu bieten? Oder sie wird dort, vor dem verschlossenen Tor der Tod letztendlich nachholen? Jeder in dieser Nacht stellte sich diese Frage, doch alle scheuten sich darüber zu sprechen. Es wurde an diesem Abend allgemein kaum geredet. Nach dem was heute geschehen ist und ohne Linis Unterstützung hielten sie sich kaum aufrecht. Miyaro dachte langsam, dass das ganze eh nutzlos war. Entweder sterben sie vor dem Tor, oder danach, wenn die Stadt unter gehen wird. Das wird sowieso passieren, spätestens wenn genug Untoten dort sterben um ein neues Ungeheuer zu erschaffen. Mit ihrer ganzen Rettungsaktion haben sie nun viel mehr Menschen ins Gefahr gebracht. Und wenn nun Lini mit den anderen Infizierten dazu kommt… Doch da konnte man nichts mehr tun. Es sei denn man versucht die untote Armee in andere Richtung zu lenken… Doch dafür war es wohl auch zu spät. Miyaro schaut zu dem verletzten Magier. Da haben sie es fast geschafft ihn wieder gesund zu bekommen, und jetzt ist er wieder krank. Wie lange wird es wohl noch aushalten? Sie würde ihn am liebsten einfach auf den Drachen Packen und irgendwohin fliegen, wo er geheilt werden wird. Das würde bedeuten, dass sie die Menschen allein zurücklassen. Das wird ihr keiner verzeihen. Doch wenn es Gils Leben retten wird, wäre ihr es das wert. Allerdings wenn der Magier es durchhält, kann sie es machen in dem Moment, wenn Lini wieder zurück ist, oder sie am nächsten Tag die Stadt im Sicht haben…
Erstmal soll sie sicher gehen ob er bis dahin durchhält.
“Gíl, wie lange wirst du es noch durchhalten? "

Gíl sitzt dort und starrt in die letzte Glut des Lagerfeuers der Nacht. Fast schon glaubt Miyaro er hätte sie überhört, als er doch noch das Wort ergreift: “Da hat man Armeen in die Schlacht geführt, Erzdämonen Auge in Auge gegenüber gestanden und ganze Zivilisationen untergehen sehen… Nur um jetzt von einer einfachen Krankheit dahin gerafft zu werden.”
Er lacht sarkastisch.
“Nein, was eine Ironie das Schicksal mit uns treibt… Das hätten selbst die alten Meister des Dramas nicht besser schreiben können.”
Er macht eine weitere Pause als aus seinem Lachen ein Husten wird. Schwer atmend nimmt er einen Zug aus seiner Pfeife und spuckt ins Gebüsch, in dem der schwarze Speichel wie Teer zwischen den kahlen Ästen kleben bleibt und langsam herab rinnt.
“Ich denke ein, zwei Tage werde ich noch durchhalten… Ich hoffe nur, dass Zadek und Grimgar erfolgreich waren – noch weiter werde ich diese Menschen nicht führen können.”
“Nein, was ein grandioses Finale für dieses Stück..” murmelt Gíl und zieht an seiner Pfeife.

Miyaros Blick verfinstert. Während Gíl sarkastisch lacht und über die Ironie des Lebens philosophiert, erfriert ihrer Gesichtsausdruck in eine ernste, straffe Miene. Gíls Gerede erscheint ihr eine nutzlose Selbstermutigung zu sein. Sie kann sich noch gut an seine hysterische Reaktion auf den heutigen Angriff erinnern.
“Es macht kein Unterschied ob Sie erfolgreich waren oder nicht.” Sagt Miyaro scharf, unterbricht dabei fast sein Gemurmel. “Auch wenn es ein Wunder Geschehen sollte und sie Lassen die Gesunde Menschen rein, werden Sie die Untote Armee Bekämpfen müssen. Du hast gesehen was dabei passiert.” Miyaro schaut den Magier prüfend in die Augen um zu sehen ob er verstanden hat worauf sie hinaus geht. Klar wird er es verstehen. Schließlich hat er es mit eigenen Augen gesehen, besser als sie alle zusammen. Nach eine kleine Pause redet die Vampirin leise weiter.
“Sie haben keine Chance gegen ein Reaper. Wir auch nicht. Die einzige, die es irgendwie überlebt hat ist Eneliya. Aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass sie uns wieder das Leben rettet. Sie hat keine Ahnung wie ihre Kräfte funktionieren und wo diese her kommen. Nach allem dem was ich in letzten Tagen gesehen habe, hat sie von diese Kräften Angst und will sie nicht benutzen.” Miyaro merkt, dass sie von ihrem Grundgedanke abschweift und bricht sich ab. “Höchstwahrscheinlich werden wir nicht in die Stadt gelassen. Spätestens wenn Lini noch weitere Infizierte anschleppt, können wir es vergessen. Das bedeutet wir werden gegen die untote Armee höchstwahrscheinlich draußen und allein kämpfen müssen. Dabei werden wir noch diese Menschen beschützen müssen. In eine Art Sackgasse. Und wenn wir sie bekämpfen… früher oder später taucht ein Reaper auf. Egal was passiert, er wird auftauchen. Entweder werden wir vor oder hinter der Stadtmauer stehen. Es wird uns aber nicht schützen. Entweder werden wir wieder fliehen müssen oder Eneliya wird es wieder erleuchten. Vielleicht passiert es bei ihr, wenn der Stress einen gewissen Grad erreicht. Die Frage ist nur wie viele werden davor sterben. Ob wir es bis dahin durchhalten werden. Ob DU, Gíl es in deinem Zustand durchhältst. Nicht ein weiteren, ruhigen Tag wie diesen. Ich frage Gíl, ob du den Kampf morgen durchhältst. Den Kampf, gegen den Reaper.”

Gíl erwidert Miyaros blickt und starrt ihr in die Augen. Der Blick des alten Magiers ist eindringlich und schneidend. Seine smaragdgrünen Augen zeugen von der Selbstsicherheit jahrzehntelanger Erfahrung, von den Dingen die er gesehen und erlebt hat. Es ist ein gütiger Blick; doch zugleich auch der eines Mannes, der es gewohnt ist, seine Feinde durch ein bloßes Fingerschnippen in Staub vergehen zu sehen.
Doch dann blickt Miyato hinter diese Fassade. Es ist also starrte sie durch seine Augen in ein unendliches Loch voller Schwärze, dass Miyaro förmlich in sich hinein zu saugen zu scheint. Mit dem Ende des Imaginariums war er es der seine Truppe – seine Familie – in die Dunkelheit gezogen hatte. In Echoriath war er es, der einen ganzen Landstrich ausradiert hat. Er war dabei, als ein ganzes Volk seine Heimat verloren hat. Und das Obwohl er stets nur versucht hat Gutes zu tun.
Die Bürde die er zu tragen hat lastet schwer auf seinen Schultern. Zu viele Unschuldige hat er bereits auf dem Gewissen. Selbst wenn er weiß, dass er diesen Kampf nicht gewinnen kann… Nie würde es sich Gílmondo erlauben, diese Menschen im Stich zu lassen.
Welche Wahl hat er schon? Sich davon teleportieren und die Menschen sich selbst zu überlassen? Das Beste wäre es vermutlich es nie zu diesem Kampf kommen zu lassen. Oder ihn doch so weit zu verteilen, dass sich nicht genug tote Seelen ansammeln um einen weiteren Reaper herbei zu rufen. Vielleicht ein paar weitere Fallen und Ablenkungsmanöver. Vielleicht haben sie auch einfach Glück und die Untoten stellen die Verfolgung ein, wenn sie die Grenze nach Molthune überschreiten.
Für einen ewigen Augenblick Miyaro spürt Gíls Wut auf seine eigene Hilflosigkeit. Eine kalte Glut in eine Schwärze aus Trauer und Furcht.
Wie mit einem Vorschlaghammer wird Miyaro aus ihren Gedanken gerissen, als Gíl blinzelt und den Blick abwendet.
“Ich muss.”, spricht er.

Der Magier hat seine Entscheidung getroffen, musste Miyaro hilflos zugeben. Das hat Vampirin deutlich in seine Augen gesehen. Es war nutzlos es ihm auszureden. Genauso wie alle anderen. Der Kampf wird stattfinden und ihre Kameraden werden sich alle zwischen den Menschen und den Untote stellen, egal wie nutzlos es ihr erschienen hat. Sie kannte diesen Blick den Gil hatte viel zu gut. Die Gefühle, den Zorn und Hilflosigkeit, das Verlangen alle zu retten… das ist etwas was sie schon so oft selbst empfinden musste, dass sie es nicht vergessen wird. Doch im Vergleich zu den Magier und den anderen, hat sie es gelernt menschliche Leben als Teil eine Gleichung zu sehen, sich zu distanzieren und alles in großen Ganzen zu betrachten. Ein Teil der lebenden zu opfern um noch mehr zu retten. Schwere Entscheidungen zu treffen um wichtigere Ziele zu erlangen. Leider funktionierte es nicht mit denen dir ihr ans Herz gewachsen sind… Sie musste Gils Entscheidung akzeptieren. Genauso wie die von allen anderen. Mit einem schwere seufzen nickte sie ihn auf seine Worte.
Vielleicht war diese dickköpfig und nutzlose Selbstopferung ein wichtiger Bestandteil von Sterblichen. Sie wusste dass es ohne Ihre Kameraden alles viel einfacher für sie wäre. Doch vielleicht sollte sie froh sein dass sie diese Leute um sich hatte. Vielleicht waren sie die einzigen die sie davon abhielten sich komplett in etwas zu verwandeln, was sie ursprünglich nie sein wollte und sich somit für immer und ewig zu verlieren.

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exothermal

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